Lanzarote - Faszination der Kargheit

Aktualisiert: 11. Jan.


Die Kanaren gehörten nie zu meinem erklärten Reiseziel. Viel zu touristisch. Meine Vorliebe für Individualreisen, abseits der Massen, ließen mich daran zweifeln, dass die östlichste Insel des kanarischen Archipels, die richtige Destination für mich, meine Kamera und meinen Entdeckergeist wäre. Auch mein Herzensmann teilte diese Auffassung und so kam es, dass uns der Reiz dieses Flecken Erdes vorerst unerschlossen blieb, bis uns die Schwärmerei meines Schwagers dann doch neugierig machte. Das erste Mal bereisten wir Lanzarote 2019 – zugegebenermaßen nicht ohne Skepsis, als wir die Buchung tätigten. Einmal mehr löste sich diese in wunderbares Wohlgefallen auf, als wir den Fuß auf den Boden des Eilands setzten. Was für eine einzigartige Kulisse! Schon bei der Ankunft drängte es mich, den Finger an den Auslöser meiner Kamera zu platzieren und meine Eindrücke festzuhalten. Doch dazu sollte ich noch zahlreiche Gelegenheiten erhalten und so entschloss ich mich, die Schönheit zuerst auf mich wirken zu lassen, um dann die besten Motive genussvoll vor die Linse zu bekommen. Das Feuer für die von der Lava geformten Landschaft war entfacht und so kam es, dass wir 2021 abermals dazu entschlossen, den Sommer auf Lanzarote etwas zu verlängern und dem nass-kalten Herbst-Wetter zuhause zu entkommen.




Die schönen Strände, die Anziehungskraft der zerklüfteten Steilküsten und die charakteristische Flora sowie Fauna lockten uns an, wie die Motten das Licht – von der angenehmen Temperatur, die das Thermometer stets über 20° C klettern lässt, ganz zu schweigen. So kam es, dass wir Ende Oktober in München in die bereitstehende Condor-Maschine stiegen und voller Vorfreude abermals nach Lanzarote aufbrachen. Mietauto und unsere Finca hatten wir bereits im Vorfeld sorgsam ausgewählt und gebucht. Obwohl wir nicht zum ersten Mal auf der Insel „strandeten“, war es, wie eine gelungene Mischung aus feudalem Déjà-vu und prickelnder Spannung auf all das Neue, das uns noch erwartete. Es fühlte sich ein wenig an, wie nach Hause kommen, nachdem man lange Zeit auf Reisen war.



Selbstverständlich haben wir die landestypischen Highlights einen Besuch abgestattet. Abseits dessen, haben wir uns täglich per pedes auf Entdeckungstour begeben und uns vom Flair und der scheinbaren Zeitlosigkeit, der man auf der Insel fühlen kann, treiben lassen. Wer hier sein Glück und seinen persönlichen Wohlfühlort nicht findet, ist von sich selbst wohl meilenweit entfernt. Angezogen von allem, was nicht im Reiseführer steht, haben wir kleine, romantische Ortschaften und Küstenabschnitte entdeckt, die an Anmut und Einmaligkeit schwer zu übertrumpfen sind. Die Tage glitten nur so dahin und jeder davon war geprägt von imposanten Eindrücken, heimeliger Einkehr in die ortsansässige Gastronomie und dem Zusammentreffen mit echten Insulanern, denen Herzlichkeit und Gastfreundschaft im Blut zu liegen scheint. Für Aktive ist der Aufstieg zum Krater eines inaktiven Vulkans ebenso empfehlenswert, wie das Reiten von Wellen und Pferden. Auf Liebhaber von ausgezeichneter Kulinarik warten romantische Weingüter mit traditionellem Anbau und köstlichen Flaschen gefüllt mit sonnengeküsstem Rebensaft. Die besagten Strände laden zum Verweilen ein und sind Balsam für viel bewegte Beine und gestresste Seelen. Kulturinteressierte werden an dem auf Lanzarote geborenen Maler, Bildhauer, Architekt und Künstler César Manrique ihre Freude und viel zu erleben haben. Was auch immer die persönliche Vorliebe sucht, auf Lanzarote wird man fündig.



Doch zurück zu unserem Trip im Jahr 2021. Unser Haus stand im vulkanischen Gebiet Timanfaya und bot den idealen Ausgangspunkt für eine Runde Sport am Morgen und fotografisch dominierte Wanderungen am Rest des Tages. Auf unseren Touren wandelten wir auf den Spuren längst vergangener Tage, ließen uns von Natur und Landschaft inspirieren und steckten unsere Zehen am weißen Sandstrand von Famara ins kühle Nass. Dort und da kreuzten Kitsurfer, vom Meer zerklüftete Küsten, lebenslustige Menschen und seltene Pflanzen meine Perspektive. Wieder zurück auf unserer Terrasse blickten wir jeden Abend auf die beschriebenen Weingärten von Lanzarote. Das Besondere daran: jeder einzelne Weinstock wird von einer kleinen Steinmauer vor dem zumal stürmischen Wind geschützt und die Steine speichern die Wärme der Sonne, was dem Endergebnis in Sachen Geschmack und Farbe ordentlich Auftrieb gibt. Vineasten sollten sich auf jeden Fall eine Fahrt ins Weinbaugebiet La Geria vornehmen. Die Führung samt anschließender Verkostung ist ein Genuss für alle Sinne.



Um unseren kulturellen Wissensdurst zu stillen, haben wir uns auf dieser Reise auch intensiv mit César Manrique beschäftigt und so ein tieferes Verständnis für Lanzarote und seine Charakteristik erlangt. Der Pionier des sanften Tourismus hat ganze Arbeit geleistet und war mit Sicherheit seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Bettenburgen wie auf etlichen Nachbarinseln sucht man hier nämlich bis heute vergeblich. Alle Häuser hier haben weiße Außenfassaden und die von Postkarten bekannten typischen blauen oder grünen Fenster und Türen. Jedem Besucher der Insel sei das von Manrique erbaute Vulkanhaus in einer Lavablase, sein Atelier, sein Wohnhaus und der Aussichtspunkt Mirador del Rio der wärmstens ans Herz gelegt.



Auch der Zauberhaft angelegte Kakteengarten "Jardin de Cactus" ist ein Ausflug wert. Meine Empfehlung ist allerdings, die Besuchszeit in etwa eine Stunde vor Ende des Einlasses in den Garten zu legen, da hier der große Ansturm bereits vorbei ist und man den Garten in vollen Zügen sowie Ruhe genießen kann. Ebenso sehenswert sind die Salinas de Janubio. Die eindrucksvollen Salzpyramiden und -becken sind eine Augenweide – insbesondere am späten Nachmittag.



Wann immer wir auf die Insel kommen, ist ein Abstecher auf den samstäglichen Wochenmarkt Haria Pflichtprogramm. Hier werden ausschließlich auf Lanzarote hergestellten Produkte und landestypische Kunst zum Verkauf angeboten und auch der Weg zum Markt ist landschaftlich von charismatischem Anreiz und -blick.



Wer, so wie wir, gerne ohne vorher fixiertes Ziel losziehen möchte, der kann diesem Impuls auf Lanzarote ohne Bedenken nachgeben. Die Straßen sind in bestem Zustand, der Verkehr moderat und an jeder Ecke wartet etwas Sehenswertes. Gemütliche Cafés und Tapas-Bars laden zum Verweilen und lukullischen Gaumenfreuden ein. Zudem sind die Inselbewohner kontaktfreudig und immer für einen Insider-Tipp zu haben.



Natürlich sind auf dieser Reise unzählig viele Fotos entstanden, die mich stets in den Bann der Faszination für diese Destination ziehen, wann immer ich sie betrachte. An manch dunklen Regentag träume ich mich zurück zu den herrlichen Orten, die ich im Speicher meiner Festplatte und in meinem Herzen aufbewahre. Lanzarote, du Augenstern, wir kommen wieder!





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