Die Magie des Moments: Streetfotografie

Aktualisiert: Nov 25

Mitten im Leben, statt nur mit der Kamera dabei. So oder so ähnlich lässt sich das durchaus anspruchsvolle Terrain der Streetfotografie beschreiben. Konkret bezeichnet sie die spontane Ablichtung dessen, was einem gerade vor die Linse kommt – ungekünstelt, authentisch und auch ohne „Vorwarnung“ deren, die zum Teil das Motiv des Bildes darstellen. Die alte Dame, die gerade genüsslich an ihrer Melange nippt, der verschwitzte Bauarbeiter, der in brachialer Mariner den noch dampfenden Asphalt plättet oder das Liebespaar, das sich eng umschlungen unterm Torbogen küsst.



Was es zu beachten gilt

Im Regelfall ergibt sich der gelungene „Schnappschuss“ durch den Zauber des Augenblicks. Als Fotografin zücke ich just in dem Moment die Kamera, wo das Leben mit all seinen Eigenheiten gerade passiert – ohne die Beteiligten darüber zu informieren. Selbstredend, dass die Frage der Erlaubnis bei Veröffentlichung schon aus Anstand einzuholen ist. Ich selbst halte es in dieser Hinsicht aufrichtig und freundlich, indem ich nach getaner Arbeit zu den Menschen gehe, ihnen zeige, was ich durch meine Linse erhascht und abgelichtet habe und sie nach ihrem Einverständnis zur Verwendung bitte. Zumeist sind die Protagonisten erst einmal etwas überrascht bis skeptisch, doch nach einer Erklärung meiner (guten) Absichten meines Handelns sind fast alle durchaus bereit, mir die künstlerische Freiheit zu gewähren und mir postum Modell zu stehen. Getreu dem Motto „durchs Reden kommen die Leut‘ zam“. Wer höflich fragt, hat auch in punkto Persönlichkeitsrecht wenig zu befürchten und kann noch dazu Verbindungen und inspirierende Gespräche entstehen lassen. Nicht selten erfahre ich ganze Lebensgeschichten von jenen Menschen, die ich durch meine Kamera zum Hauptdarsteller der Momentaufnahme gemacht habe. Sie sind Zeitzeugen des Jetzt und hüten Schätze an Erfahrungen und individuell prägenden Ereignissen. Das macht mitunter den Reiz der Streetfotografie aus.



Gut (aus-)gerüstet

Um wirklich die Besetzung der unsichtbaren Beobachterrolle einnehmen zu können, verzichte ich meistens auf meine „große“ Ausrüstung und ziehe mit einer kleinen, unscheinbaren Leica-Kamera los, wenn ich auf Motivsuche bin. Fündig werde ich überall – beim Streifzug durch fremde Länder und Kulturen, aber auch beim ganz banalen Spaziergang über den Dorfplatz meiner Heimat oder dem Wochenmarkt.

Das Ergebnis überwältigt mich jedes Mal aufs Neue. Die Bilder repräsentieren das Leben in dem einen ganz besonderen Moment, in dem ich auf den Auslöser meiner Kamera drücke. Jedes davon ist absolut einzigartig – von der Kulisse über den Ausdruck der Menschen bis hin zu kleinen Details, die manches Mal erst auf den zweiten Blick zutage treten.


Mut wird belohnt

Ich gebe zu, zur Streetfotografie gehört eine Portion Mut und zu Beginn hat es mich hie und da Überwindung gekostet, mich auf dieses Terrain einzulassen. Schließlich tritt man gewissermaßen in die Privatsphäre fremder Menschen ein, dokumentiert heimlich Emotionen, Situationen und Persönlichkeiten. Doch wie heißt es so schön: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“ (Heraklit). Es geht darum, die Zeit für einen kurzen Augenblick anzuhalten und einzufangen. Wer lange überlegt, verpasst vielleicht den ultimativen „Schuss“. Also kann ich nur aus eigener Erfahrung dazu raten, die Scheu abzulegen, entschlossen abzudrücken, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet und wie bereits beschrieben, achtsam und höflich mit den Motiven umzugehen.


Doch, Achtung!

WICHTIGER HINWEIS: Insbesondere, wenn Kinder fotografiert werden, ist unbedingt das Einverständnis der Begleitperson bzw. der Erziehungsberechtigen einzuholen!

Ich halte es sogar so, dass ich darauf achte, dass das Gesicht des Kindes in der Unschärfe ist oder ich wähle den Winkel so, dass es nicht erkennbar ist. Weniger kritisch sind zum Beispiel Straßenkünstler – sie freue sich oftmals sogar darüber, mein Motiv sein zu dürfen.



Authentizität vor Perfektion

Wenn ich etwas über Streetfotografie im Laufe meiner Tätigkeit gelernt habe, dann dass die Perfektion im Unperfekten liegt. Selbstredend, dass ich bei aller Spontanität auf Farben, Belichtung und Töne von der Qualität ebenso achte. Dennoch habe ich gelernt, dass Bilder, die eine Geschichte erzählen und eine Seele haben, in diesem Fall wertvoller sind als jedes noch so stimmige Detail in der Vorbereitung. Es geht darum, Neugier und Emotionen zu wecken, das Besondere herauszustreichen und das Kino im Kopf des Betrachters anzuregen. Die Streetfotografie bietet hierfür die perfekte Möglichkeit, denn sie ist ein Kaleidoskop an Möglichkeiten.



Meine 7 Top-Tipps zum Thema Streetfotografie

  • Gehe mit offenen Augen durch dein Leben

  • Sei spontan und hab Spaß

  • Gehe achtsam mit den Menschen um, die du fotografierst

  • Frage um Erlaubnis, bevor du die Bilder veröffentlichst

  • Freue dich über das Erlebnis und Ergebnis

  • Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert

  • Probieren geht über Studieren – Übung macht bekanntlich den Meister























5 Ansichten0 Kommentare