Namibia - auf dem Weg durch das Land der roten Stille



Wie immer ist vor der Reise sprichwörtlich vor der Reise. Wir waren wieder einmal schon viel zu lange in den heimatlichen Gefilden, nahmen die Weltkarte zur Hand und gingen die einzelnen Kontinente durch. Die Wahl fiel auf Namibia – das Land der faszinierenden Landschaften, der kargen Wüsten und der Tiere. Von Freunden brachten wir vorab in Erfahrung, dass selbständig geplantes und damit größtmöglich unabhängiges Reisen weitestgehend gefahrlos möglich ist. In Insiderkreisen wird der Staat im südlichen Afrika zwischen Angola, Botswana, Sambia, Südafrika und dem Atlantischen Ozean auch das Land der roten Stille genannt. Schon allein deshalb zog es mitsamt meinen fotografischen Ambitionen und Abenteuerlust dorthin.


Gut geplant ist halb gewonnen

Wie immer verwendeten wir ausreichend Zeit für die Vorbereitung. Es wurde kurzerhand ein Reiseführer angeschafft und die Route zusammengestellt. Insgesamt freuten wir uns auf 16 Übernachtungen, die zum Teil durch unwegsames Gelände voneinander getrennt waren. Nicht befestigte Straßen und Schotterwege gehören dazu und sollten bei der Wegzeit unbedingt einberechnet werden. Umso akribischer sollte die Planung verlaufen.


Die richtige Wahl macht den (guten) Anfang

Wir entschieden uns dafür, das Terrain unserer Reiselust einzugrenzen, um ausreichend Zeit zu haben, das Land in seiner Einzigartigkeit zu erleben und auch zu genießen. Von Windhuk bis zum Etoscha Nationalpark Grootberg über das Damaraland retour nach Windhuk sollte uns die Reiseroute führen. Mein Tipp: Der Aufenthalt in den traumhaft ausgestatteten Lodges sollte mindestens zwei Nächte betragen. Es gibt viel zu entdecken und zu erkunden!



Für die Buchung bedienten wir uns der üblichen Buchungsplattformen und in Sachen Auto entschieden wir uns aus gutem Grund für einen geländegängigen SUV. Hinsichtlich Flug gibt es direkte Verbindungen ab München bzw. Frankfurt nach Windhuk. Wir nahmen jedoch eine langwierigere Variante, was wir im Nachhinein bereuten - schon allein wegen der langen Flugzeit, den zahlreichen Zwischenstopps und den damit verbundenen Strapazen. Also nächster Tipp: Lieber direkt fliegen, gegebenenfalls ein paar Euro mehr bezahlen und dafür weniger geschlaucht und entsprechend früher an der ausgewählten Destination ankommen.


Das große Abenteuer beginnt

In Windhuk gelandet übernahmen wir das Mietauto und machten uns sogleich auf, um die erste Etappe zurückzulegen. Sie führte uns rund 300 Kilometer in den Norden. Mit etwas Respekt vor den unbekannten Straßenverhältnissen starteten wir und wurden positiv überrascht. Die Beschilderung ist mustergültig und auch für zentraleuropäische Touristen gut verständlich - vielleicht auch deshalb, weil die Namensgebung dank der Kolonialzeit durchaus deutsch geprägt ist. Sogar deutschsprachige Radiosender geleiteten uns auf unserem Weg. Gewöhnungsbedürftig ist und bleibt jedoch der Linksverkehr, der jedoch auf gut befestigten und wenig befahrenen Straßen gut bewältigt werden kann. So kamen wir gut und recht rasch am ersten Quartier an und wurden aufs herzlichste empfangen. Die gebuchte Lodge bot von der Terrasse mit den typischen afrikanischen Sitzmöbeln einen herrlichen Ausblick, den wir in vollen Zügen genossen.


Weiterer Vorteil - zusätzlich zur guten Ausstattung und dem traumhaften Panorama - waren die Beobachtungsfahren, sogenannte Game Drives, die direkt von der Unterkunft angeboten wurden. Und das gleich zweimal pro Tag. Wir starteten unseren ersten Trip auf diese Art abends ("Sundowner") und wurden nicht enttäuscht. Antilopen, Zebras, Nashörner und Kanus säumten unseren Weg und wir bestaunten sie aus nächster Nähe. Es war ein beinahe surreales Erlebnis! Gepaart mit dem beeindruckenden Sonnenuntergang speicherten wir dieses Naturschauspiel in unseren Herzen und auf der Speicherkarte meiner Kamera. Ich konnte die Augen nicht von der Szenerie und den Finger kaum vom Auslöser lösen, als die Sonne die glühende Erde zu küssen schien. Doch es gab schließlich noch mehr zu erkunden und wir hatten ja noch einiges am Plan: den Waterberg erklimmen zum Beispiel. Hierfür ist die ausgewählte Gegend ein idealer Ausgangspunkt. Der gewaltige Tafelberg wird am besten zu Fuß bezwungen. Es führt ein Pfad durch den Felsen auf das Plateau und dort eröffnet sich ein weiterer unvergleichlicher Ausblick.


Die Faszination des Etoscha Nationalpark – „der große weißen Ort“

Am Folgetag brachen wir voller Vorfreude und begleitet durch die Warzenscheine am Wegesrand in Richtung Etoscha Nationalpark auf. So entzückend die Schweinchen auch anzusehen sind, es ist insbesondere bei der Autofahrt Vorsicht geboten, da sie oftmals blitzschnell und plötzlich die Straße überqueren. Am Ziel angekommen gönnten wir uns erst einmal einen entspannten Tag am Pool und erfreuten uns an den Annehmlichkeiten unserer Lodge, vorbeiziehenden Tierherden und der wunderschönen Landschaft. Gestärkt durchquerten wir tags darauf den 22.935 Quadratkilometer großen Nationalpark, der übersetzt zurecht den Namen „großen weißen Ort“ trägt. Schließlich ist die Salztonebene gewaltig, nimmt fast ein Viertel der Gesamtfläche ein und ist sogar vom Weltraum aus zu erkennen. Zahlreiche Wasserlöcher ziehen Ruhesuchende Beobachter wie uns und im Idealfall auch Tiere an. Ob sich die Objekte der Begierde jedoch zeigen, ist tatsächlich Glücksache. Fortuna war uns wohlgesonnen: badende Elefantenherde kamen ebenso vor meine Kamera wie unter Bäumen schlafende Nashörner, Strauße, Giraffen und Antilopen. Sogar Geparden zeigten sich uns, an deren Anblick wir aus der Sicherheit unseres Fahrzeuges heraus ergötzten. Aussteigen ist ohnehin nur an definierten und entsprechend markierten Punkten erlaubt.


An der Salzpfanne ist die Atmosphäre nicht minder einnehmend. In ihrer Weitläufigkeit kann das Auge gar nicht erfassen, wo der Bereich endet und der Himmel beginnt. Einfach einzigartig!



Hoch hinaus aufs Hochplateau Grootberg

Auf der nächsten Etappe machten wir Bekanntschaft mit den besagten „Schotterpisten“, was die Fahrt in der Tat etwas beschwerlich machte. Es ging hoch hinaus – genauer gesagt auf das Hochplateau Grootberg auf 1.640 Meter Seehöhe, wo die Stille dank wenig Frequenz hautnah erlebbar ist. Wenig Menschen heißt jedoch nicht gleich wenig Leben und so trafen wir auch dort Giraffen, Zebras, Affen und verschiedene Antilopen in ihrem freien Lebensraum an. Weniger hold war uns an diesem Tag allerdings das Wetter: Nach einem Tag voller strahlendem Sonnenschein, überraschte uns abends der Hagel. Doch selbst dieser tat dem Anblick des Tafelberges keinen Abbruch, denn dieser ist zu jeder Tageszeit, aus jeder Perspektive und auch bei jedem Wetter sensationell. Gleiches Prädikat gilt übrigens auch für die gebuchte Lodge https://grootberg.com. Sie wurde von Einheimischen erbaut und auch geführt – allesamt unter ökologischen Gesichtspunkten. Strom gbt es nur im Haupthaus, was jedoch keine Einbußen darstellt.



Dramatik in weiß-grün im Dramaland

Nach nur zwei Nächten (wir hätten es durchaus auch länger in unserer Lodge ausgehalten) entschieden wir uns für einen Richtungswechsel - auch in Bezug auf unsere ursprüngliche Reiseplanung. Wir fuhren wieder in südliche Richtung ins Damaraland und buchten dank WLAN-Verbindung in den Lodges einfach die Unterkunft um und landeten nach weiteren "Rumpelpisten" in der Gondwana Damaralodge. Der Umzug bot uns einen bisher unbekannten Perspektivenwechsel: Weißer Schotter gesäumt von etwas Grün, was sich vor allem im umliegenden Garten der kleinen Häuschen widerspiegelte.



Mein persönliches Fazit

Namibia ist definitiv ein Reiseziel, das man sich merken sollte und für uns bleibt es sicherlich ein Fixstarter unserer persönlichen Tourenplanung, denn das Land gibt mehr her, als man während eines einzigen Trips sehen kann.


Als wertvolle Tipps kann ich allen mitgeben, die dieses Abenteuer planen:

  • Nehmt euch einen SUV bzw. Geländewagen – die Investition ist es allemal wert, denn die Straßen sind mitunter tatsächlich unwegsam.

  • Plant eure Fahrtstrecken möglichst kurz zwischen den Etappen, dann hält sich dieser beschwerliche Kraftakt in Grenze.

  • Vermeidet es grundsätzlich, in der Dunkelheit zu fahren. Die Straßenverhältnisse sind schon bei Tageslicht Challenge genug.

  • Für die optimale Erholung zwischen den Touren würde ich dazu raten, mindestens zwei Nächte pro Lodge zu buchen. Dann habt ihr Zeit, euch zu regenerieren und auch die Landschaft mit all seinen Charakteristiken zu genießen.

  • Windhuk ist in einem Tag besichtigt - hier kann man sich längere Aufenthalte sparen.


Wer mit der Kamera unterwegs ist, dem sei noch folgendes ans Herz gelegt:

  • Starte gleich frühmorgens bzw. gehe abends bei Sonnenuntergang und fange die besten Motive ein.

  • Wer die Wildtiere vor die Linse bekommen möchte, sollte ein Teleobjektiv griffbereit haben.

  • Haltet die Augen offen und die Ohren gespitzt – bizarre Landschaften, einzigartige Eindrücke von Land und Leuten sowie allerlei Getier kann jederzeit hinter dem nächsten Felsen oder der Weggabelung warten.

  • Nutzt den Polfilter, um die Sättigung der Farben zu optimieren. Das ist in der Landschaftsfotografie generell immer eine gute Idee.

In diesem Sinne verabschiede ich mich gedanklich von Namibia mit den weisen Worten:

„Abenteuer beginnen im Kopf, werden in der Welt lebendig und enden in Geschichten daheim."



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